Moin.
Freitag, der dreizehnte! Ich muss vorsichtig sein heute, wer weiß, was passiert... Gestern jedenfalls hatte ich eine gute Zeit bei der Betalounge, ich habe immer noch einen dicken Kopf davon. Nicht schlecht gestaunt habe ich auch, als ich mir mal wieder den Rohbau vom "Zeum" angeschaut habe, sie streichen es gerade in einer art Heidelbeersuppenlila, daß einem ganz schummerig davon wird. Das war bestimmt ein Antroposoph, der sich das ausgesucht hat. Naja, aber sonst sind die Leute hier etwas vernünftiger als im Rest des Landes, hier fahren sie mit dem Mountainbike statt mit dem Auto ins Fitnesscenter, um sich auf Trimmrädern abzustrampeln. Die machen offenbar sogar Kurse im Treten, ich habe jedenfalls eine Gruppe von ca. 25 Trimmradlern gesehen, die gebannt tretend ihrem Trainer zuhörten, der ihnen Frontalunterrichtsmäßig einen vorstrampelte.
Montag habe ich dagegen beim Beine bewegen auch noch ein wenig von der Stadt gesehen. Ich bin mal weiter nach Süden gefahren und weiss jetzt, wo die ganzen Schwarzen hinfahren, die ich immer in der Linie 15 sehe. Dort, zwischen der 3. Strasse, dem "Candlestick Park" und dem Containerhafen, liegt das Ghetto mit dem malerischen Namen "Bayview". Es gibt zwar kein Gesetz dazu, aber irgendwie schaffen die hier eine unglaubliche Separation der Bevölkerungsgruppen in die einzelnen Stadtteile. Dort leben jedenfalls so gut wie nur Schwarze, zum Teil in "Projects", wie hier die Sozialbausiedlungen genannt werden, und zum anderen Teil in leicht gammelig aussehenden Reihenhaeusern. Es ist erstaunlich, wie kleine Unterschiede so einen Eindruck einer Strasse ergeben. Wenn alte oder halb ausgeschlachtete Autos in den Garageneinfahrten stehen oder die keifende, dicke Mama ihre Kids zum Essen reinruft (oder eher: reinbrüllt), dann weiß man, daß man es mit den unteren Schichten der sozialen Hierarchie zu tun hat. Nicht daß das in Deutschland anders wäre, wir haben ja auch genug Hochhaussiedlungen und aehnliche Ghettos, aber daß dann die Bewohner eines Stadtteils tatsächlich zu fast 100% schlechtverdienende Schwarze sind und im Nachbarstadtteil, nur durch einen Highway getrennt, wieder eine völling andere Sozialgruppe, z.B. Weißer Mittelstand, wohnt, das habe ich bislang nur in den USA erlebt. Dieser Candlestick Park ist noch so eine besonderheit, das ist ein Naherholungsgebiet mit Baseballstadium, das Flaechenmaessig aus ca. 30% Stadium, 30% Gruenstreifen mit Grillmoeglichkeit am Wasser und 40% Parkplatz besteht. Der Park trägt diesen Namen wegen einer Halbinsel, die von oben wie ein Kerzenständer aussieht, und ist vor einiger Zeit von einer Computerfirma namens 3Com gekauft worden. Seitdem heißt er 3Com-Park, und das steht auch auf ca. 20 Ausfahrtswegweisern auf dem Highway entlang einiger Kilometer. Ziemlich gute Dauerwerbung, wenn man bedenkt, daß die ganzen Computerleute ständig zwischen SF und dem "Silicon Valley" pendeln.
Schoenen Valentinstag noch,
Christian.
-- Christian Wolff, *680710 mailto:scarabaeus at ccc.de phone/fax:+49-40-3194035 http://bin.ponton.de/~scara/ Paul-Roosen Str. 19, D-22767 Hamburg, Germany Studio: +1-415-621 6393, 1072 Illinois St. San Francisco, California 94107, USA PGP FP: B871 358C 3F10 A5ED C41C B1DB B9F9 3C44