Freitag, 1. Mai (Tag der Arbeit)

Moin.

Heute sollte ich wohl die "Internationale" an meine Mail anhängen, oder? Schönen Feiertag jedenfalls noch.

Und wieder ist ein Monat ins Land gegangen. Viel und wenig ist passiert. Viel alltägliches und wenig Weltbewegendes. Das neue Zimmer ist super gemütlich, ein mittelgroßes Dachzimmer ziemlich hoch oben am Berg. Bernal Heights, der Stadtteil in dem das Haus ist, ist ein sehr steiler Hügel mit einem Park obendrauf und einem traumhaften Blick über halb San Francisco, den ich zwar nicht von meinem Zimmer, so aber doch vom Wohnzimmer habe. Das letzte Stück Straße dort hinauf ist so steil, daß ich selbst beim Fahrad hochschieben in Schweiß komme, ich habe das aber auch schon einmal geschaft, hochzufahren. Die alte Wohnung von mir, das Loft in SoMa, ist aber auch nicht verloren, Peter ist endgültig nach Los Angeles umgezogen und in seine alte Wohnung ziehen jetzt Marisa (Ians Freundin) und Ole ein. Ja, richtig, Ole kommt nach San Francisco! Erstmal von mitte Mai bis August, aber ich habe hier schon Leute getroffen, die sind für 2 Wochen gekommen und 4 Jahre geblieben. ;-)

Das Projekt geht auch stetig voran, Dienstag war ich das erste mal auf der Baustelle und habe unsere Räume besichtigt. In natura sehen sie sehr klein aus, besonders die Decke ist sehr niedrig: Ich kann fast anlangen. Dann löte ich momentan mehr als das ich programmiere, diese Woche habe ich die Lämpchen in den Knöpfen zum blinken gebracht (inklusive Device Driver für BeOS) und kommende Woche muss ich 4 "sprechende Ziegelsteine" bauen, die Zane für ein anderes Projekt braucht. Kurze Interviews über Gebäude sollen als Backsteine in das selbe eingebettet werden, Passanten können dann einen Knopf drücken und das Interwiew hören. Also viel Streß, und dann noch den ganzen Kleinkram: E-Mail bearbeiten (1 bis 3 Stunden am Tag) Ausgefallene Rechner warten oder Betriebssysteme auf neu hereingekommene Computer installieren, das Netz am Laufen halten, die Stromlast gleichmäßig auf die mäßig stabilen Sicherungen verteilen, mit Melissa 'rumhängen, Annie beim Lunch aufheitern, soziale Kontakte pflegen, Freunde miteinander bekannt machen, die Stadt erkunden, neue Menschen kennenlernen, einkaufen und wäschewaschen. Also langweilig wird das nie hier... Ach ja, Melissa kennt ihr ja noch nicht. Vor 2 Wochen bin ich bei einer Party einer Freundin von Polywog (Noch ein "Sister"-DJ), die in Melissas Wohngemeinschaft stattfand, in ihrem Bett eingepennt, und dann haben wir uns in den nächsten Tagen öfters getroffen und viel Zeit miteinander verbracht. Zane hat schon komisch geguckt, weil ich nicht mehr so viel im Studio war, aber jetzt hat er mich erstmal wieder ganz für sich: Melissa ist seit Gestern für 2 Wochen in Los Angeles bei ihrer Oma zu Besuch.

Also alles prima bei mir, wie sieht es bei euch aus? Ist der Sommer schon ausgebrochen, wie hier? Schröder wird neuer Bundeskohl? Belgien versinkt regierungslos in Anarchie? Die Mauer wird wieder aufgebaut, diesmal zwischen dem Freistaat Bayern und der Bundesrestpublik? Was macht der Uni-Streik? Was machen eure Jobs, Wohnungen und Leben? Ich freue mich über alle Details, hier so fern der Heimat (nein, nicht schon wieder ein Heimwehanfall, nur generelle Sehnsucht).

  Alles Gute,
    Christian.

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