Hallo mal wieder.
Na, ihr macht ja Sachen da in Deutschland: eine halbe erste Seite im San Francisco Examiner über das ICE-Unglück. Wenn ich daran denke, daß ich diesen Zug auf exakt der Strecke über 2 Jahre fast täglich gefahren bin, wird mir im nachhinein ganz schön mulmig... Und einer meiner Ex-Mitpontonesen, Falk, hat den Zug 17 Minuten vor dem Unglückszug nach Hamburg genommen.
Ansonsten geht es mir ziemlich gut, wir haben Samstag den ersten Testlauf mit allen 3 Konsolen gehabt, Ole hat wohldesignte Pfeile aus Klebefolie gemacht und die Holzplatten mit Silberfarbe sehen richtig schick aus. Das ganze Projekt nimmt also langsam Gestalt an, nachdem wir ein halbes Jahr hauptsächlich konzeptuell und an der Teilebeschaffung gearbeitet haben, kommt jetzt die physische Manifestation. In 2 Wochen wollen wir anfangen, unsere Arbeitsergebnisse in die Museumsräume zu schaffen, und in 4 Wochen bin ich dann ja auch schon wieder auf dem Rückweg und muß bis dahin fertig sein. Daher bin ich auch schon eine Weile nicht mehr dazu gekommen, einen Rundbrief zu schreiben. Sorry.
Diesen Rückweg werde ich übrigens nicht alleine antreten, meine Freundin Melissa kommt mit. Sie war noch nie in Europa und freut sich auch schon mächtig darauf, mal andere Länder zu sehen. Das Flugticket kostet interessanterweise genausoviel in D-Mark, wenn ich es in Deutschland ordere, wie es hier in Talern kosten würde, also fast halb so teuer. Verrückte Welt. Ich freue mich auch schon darauf, mit ihr ein wenig durch die Gegend zu reisen und ihr unbekannte Lande zu zeigen.
Noch ein paar Beobachtungen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Neulich war hier Wahl, und da der Amerikaner so gerne Auto fährt, gibt es drive-by votings. In der Wahlnacht bin ich an einer solchen vorbeigekommen: eine Spur eine mehrspurigen Straße war einen Häuserblock lang abgesperrt, am Straßenrand standen ein paar Tische mit Wahlurnen, ein paar Wahlhelfer und etliche Polizisten. Die registrierten Wähler konnten, vorzugsweise Familienweise, vorfahren, die Wahlzettel im Auto ausfüllen und direkt, ohne aussteigen, in die Urne werfen. How convenient...
Gerade rief Steve, mein Mitbewohner und Kats Boyfriend, an, um uns mitzuteilen, daß Caldwell, der Schrottplatzbesitzer und unser Landlord, sein Häuschen verkaufen möchte und uns am liebsten in 2 Wochen da raus hätte. Was ein Schock, gerade erst eingezogen, etwas heimelig geworden, und dann sowas! Zum Glück gibt es auch hier ein Mietrecht mit Mieterschutz, so daß das wohl nicht so ganz nach seinen Vorstellungen läuft, aber trotdem... Naja, dann werde ich mich im August wohl nach einer neuen Wohnung umsehen müssen. Bis dahin versuche ich, mein Zimmer für die 2 Monate unterzuvermieten, die ich in Deutschland bin. Heute Abend kommen einige Interessenten, um sich Kats und mein Zimmer anzusehen, Kat zieht nämlich anfang Juli nach New York. Alle ändert sich... Die Amis ziehen echt häufig um, das scheint hier ganz normal zu sein, nicht länger als 3 Jahre in einer Stadt zu bleiben. Trixie zieht auch im August weg, und auch sonst höre ich das immer wieder, das Leute "bald" wegziehen wollen. Naja, um so eher finde ich eine neue Bleibe.
So, bald ist es ja auch so weit, ich komme wieder nach Hamburg. Kommt ihr alle zu meiner Heimkehr- und Geburtstagsparty am 10 Juli in der Paul Roosen Straße 19? Ich freue mich schon!
bis bald,
Christian.
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